Blog · Agentic Commerce
Agentic Commerce in der Schweiz: Was 2026 real ist
Agentic Commerce heisst, dass ein KI-Assistent im Auftrag der Kundin ein Produkt aussucht und bezahlt. Darüber wird viel geschrieben, für Schweizer Kundinnen ist bisher aber keiner der grossen Agenten-Checkouts verfügbar. Ich habe zusammengetragen, was heute live ist, was nur angekündigt ist und was ein Schweizer Shop jetzt vorbereiten sollte.
Auf einen Blick
- OpenAI hat Instant Checkout im März 2026 zurückgezogen. Gekauft wird wieder im Shop des Händlers.
- Agenten-Checkouts laufen in den USA, bei Google auch in Kanada und Australien. Einen Zeitplan für die Schweiz gibt es nicht.
- Saubere Produktdaten und ein gepflegtes Merchant Center helfen heute bei der Sichtbarkeit und später beim Checkout.
OpenAI hat Instant Checkout zurückgezogen
Im September 2025 startete OpenAI Instant Checkout. Kundinnen in den USA konnten direkt in ChatGPT bei Händlern von Etsy und Shopify kaufen. Im März 2026 zog OpenAI die Funktion zurück. Instant Checkout wandert in Apps, und OpenAI will sich darauf konzentrieren, Suche und Produktentdeckung in ChatGPT zu verbessern (Digital Commerce 360).
Laut CNBC kaufen Kundinnen seither im Checkout des Händlers, und Händler können Feeds und Aktionen an ChatGPT liefern. Genannt wurden Target, Sephora und Nordstrom (CNBC). Viele Händler hatten ohnehin nicht mitgemacht. Forrester zählte laut Brack Media rund 30 Shopify-Händler, die je live gingen (Brack Media). Bei Walmart soll der Kauf in ChatGPT nur etwa ein Drittel so gut konvertiert haben wie im eigenen Shop (CNBC).
Das technische Protokoll dahinter, das Agentic Commerce Protocol von OpenAI und Stripe, bleibt laut Branchenberichten als offener Standard bestehen, und Microsoft nutzt es für Copilot Checkout (Ekamoira).
Wo Agenten heute einkaufen können
Die übrigen Angebote laufen in Nordamerika und teilweise in Australien. Bei den Zahlungsnetzwerken gibt es Pilotprojekte in Europa.
| Angebot | Stand Oktober 2026 | Schweiz |
|---|---|---|
| ChatGPT mit Shopify Catalog | Produkte von Shopify-Händlern, die an Kundschaft in den USA verkaufen. Kauf im Shop des Händlers. | Nicht verfügbar |
| Google AI Mode und Gemini (UCP) | Early Access für Produkte in den USA, Kanada und Australien. Bezahlung mit Google Pay. | Nicht verfügbar |
| Microsoft Copilot Checkout | USA, mit PayPal, Shopify und Stripe | Nicht verfügbar |
| Perplexity | Kauf mit PayPal, seit November 2025 für alle Nutzer in den USA | Nicht verfügbar |
| Visa Intelligent Commerce | Zahlungen durch Agenten mit über 30 Kartenherausgebern in Europa, seit Juli 2026 | Nicht erwähnt |
| Mastercard Agent Pay | Erste europäische Agenten-Zahlung im März 2026, ausdrücklich noch keine Markteinführung | Nicht verfügbar |
| ChatGPT Ads | Anzeigen im Self-Service in 31 europäischen Märkten | Seit August 2026 |
Quellen: Shopify, Google Merchant Center Hilfe, Neowin, Shopifreaks, The Paypers, Mastercard, Indexlab. Microsoft, Perplexity und ChatGPT Ads nur aus Sekundärquellen.
Google hat das Universal Commerce Protocol im Januar 2026 zusammen mit Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart vorgestellt (TechCrunch). Den Kauf-Button in AI Mode gibt es nur für Produkte mit einem eigenen Merchant-Center-Attribut. Bezahlt wird mit Google Pay, und der Händler bleibt Verkäufer (Google). Einen Zeitplan für Europa hat Google nicht veröffentlicht.
Für Shopify-Händler ist die Ausgangslage einfacher. Ihre Produkte stehen standardmässig im Shopify Catalog, und laut Shopify sind sie bereit, sobald die Partner weitere Märkte öffnen. Im ersten Quartal 2026 kam laut Shopify rund achtmal so viel Traffic über KI in die Shops wie ein Jahr zuvor, und die Bestellungen aus KI-Suche stiegen auf rund das Dreizehnfache (Shopify).
Zu den über 30 Partnern von Visa in Europa gehören Barclays, ING, Revolut und Klarna. Die Schweiz wird nicht erwähnt (The Paypers). Eine Anbindung von TWINT an KI-Agenten habe ich nicht gefunden.
Was in der Schweiz heute schon geht
Konkret ist für Schweizer Händler im Moment vor allem eine Neuerung. Laut Branchenberichten können sie seit Ende August 2026 im Self-Service Anzeigen in ChatGPT schalten (Indexlab). OpenAI trennt die Anzeigen nach eigenen Angaben von den Produktresultaten, die ChatGPT unabhängig auswählt (OpenAI Hilfe).
Daneben läuft die normale Produktsuche. Seit November 2025 erstellt ChatGPT für eingeloggte Nutzer ausführliche Kaufberatungen, die laut OpenAI auf öffentlich zugänglichen Händlerseiten beruhen (Search Engine Journal). Ein offizielles Feed-Programm für Schweizer Händler gibt es laut Drittanbietern nicht (e2m). Ein Schweizer Shop kommt heute also über seine eigene Website und über Seiten Dritter in ChatGPT.
Was Kundinnen und Händler in der Schweiz sagen
Schweizer Kundinnen nutzen KI beim Einkaufen, lassen sie aber noch nicht bezahlen. In einer Visa-Umfrage vom Sommer 2026 unter 1'260 Online-Shoppern zwischen 18 und 65 gaben 70 % an, schon KI zur Kaufvorbereitung genutzt zu haben. Etwa die Hälfte fühlt sich davon stark beeinflusst. Erst jede zehnte Person hat ein von KI empfohlenes Produkt gekauft, und nur 17 % würden eine KI selbständig kaufen und bezahlen lassen (watson).
Als gewohnter Startpunkt der Produktsuche spielt KI noch eine kleine Rolle. Im E-Commerce-Barometer 2025 von Post und Carpathia nannten 4 % einen KI-Chatbot und 54 % Digitec Galaxus (ICTjournal). Ich lese die beiden Umfragen nicht als Widerspruch. Die eine fragt, ob man KI schon einmal genutzt hat, die andere, wo man normalerweise anfängt.
Bei den Händlern sieht es ähnlich aus. In der Onlinehändlerbefragung 2026 der FHNW mit 473 Teilnehmenden halten 51 % Sichtbarkeit in KI-Antworten für relevant, aber nur 2 % setzen eine KI- oder Agentic-Strategie tatsächlich um. Rund drei Viertel haben keine oder nur eine teilweise (Netzwoche).
Auch der Nutzen für Händler ist noch unklar. Eine Auswertung von 973 Onlineshops kam zum Schluss, dass Besuche aus ChatGPT bis Mitte 2025 weniger als 0,2 % der Sitzungen ausmachten und rund 13 % schlechter konvertierten als Besuche aus der organischen Google-Suche (Search Engine Land). Adobe meldete dagegen für das US-Weihnachtsgeschäft 2025, dass KI-Besucher 31 % besser konvertierten (Adobe). Ein klares Bild ergibt sich daraus nicht.
Mein Ausblick bis Ende 2027
Dieser Abschnitt ist meine persönliche Einschätzung auf Basis der Quellen oben. Gemessen ist davon nichts.
- Für Schweizer Shops bleibt die Produktentdeckung bis mindestens Ende 2027 wichtiger als der Kauf im Chat. Alle Agenten-Checkouts sind auf Nordamerika und Australien beschränkt, und OpenAI hat sich bereits einmal zurückgezogen. Die Zurückhaltung beim Bezahlen dürfte die Einführung hier zusätzlich bremsen.
- Wenn Checkouts nach Europa kommen, werden vermutlich zuerst Händler mit sauberen Daten eingeschaltet. Shopify-Shops sind dafür bereits vorbereitet.
- Eigene Integrationen von ACP oder UCP lohnen sich für kleine und mittlere Schweizer Shops heute nicht. Die Produktdaten, die diese Protokolle brauchen, lohnen sich schon jetzt.
- KI-Besuche bleiben ein kleiner Teil des Traffics, beeinflussen aber mehr Käufe, als die Last-Click-Auswertung zeigt. Eine Studie mit Klickdaten fand nach einer KI-Empfehlung 4,3 Prozentpunkte mehr Google-Suchen nach dem Markennamen und 2,4 Prozentpunkte mehr Besuche auf der Markenwebsite (arXiv).
Was ein Schweizer Shop jetzt vorbereiten sollte
- Saubere Produktdaten. Titel, Beschreibung, Preis in CHF, Verfügbarkeit, Varianten, Bilder und Bewertungen, vollständig und überall gleich. OpenAI nennt Bilder und Bewertungen ausdrücklich als Angaben, die das Ranking in Händler-Feeds verbessern (OpenAI).
- Ein gepflegtes Google Merchant Center. Die Shopping-Antworten in AI Mode beruhen auf dem Shopping Graph, der unter anderem aus dem Merchant Center gespeist wird (Google). Auch der Kauf-Button hängt an einem Attribut im Merchant Center. Ergänzen Sie die neuen Conversational Attributes wie Produkt-FAQ, die laut Fachberichten seit Mai 2026 verfügbar sind (Lily AI).
- Serverseitig gerenderte Produktseiten. Die Crawler von OpenAI und Perplexity führen kein JavaScript aus (Vercel). Name, Preis, Verfügbarkeit und die wichtigsten Eigenschaften müssen im HTML stehen, das der Server ausliefert.
Was Sie diese Woche tun können
- Öffnen Sie im Merchant Center die Diagnose und beheben Sie die drei häufigsten Fehler.
- Rufen Sie fünf Produktseiten mit abgeschaltetem JavaScript auf. Was dann fehlt, fehlt auch für ChatGPT.
- Prüfen Sie in der robots.txt, ob OAI-SearchBot zugelassen ist. Für ChatGPT-Anzeigen braucht auch OAI-AdsBot Zugang, er besucht nur die Zielseiten von Anzeigen (OpenAI).
- Wenn Sie ChatGPT Ads testen, starten Sie mit kleinem Budget und werten Sie die Ergebnisse getrennt von der organischen Sichtbarkeit aus.
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